Bibliographie

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Bi|blio|gra|fie [bibliogra'fi:], die; -, Bibliografien [bibliogra'fi:ən], Bibliographie:
umfassendes Verzeichnis von Büchern über ein bestimmtes Gebiet oder einen bestimmten Autor:
eine umfangreiche Bibliografie ergänzte den Artikel über Kafka.

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Bi|blio|gra|phie 〈f. 19〉 = Bibliografie
Die Buchstabenfolge bi|bl... kann in Fremdwörtern auch bib|l... getrennt werden.

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Bibliographie
 
[griechisch »Bücherbeschreibung«] die, -/...'phi |en, zunächst umfassend als Ausdruck für Bücherkunde (»Notitia librorum«) verwendet, bezeichnet Bibliographie heute im deutschen Sprachgebiet und in Frankreich 1) ein Literaturverzeichnis, 2) die Herstellung von Literaturverzeichnissen, 3) die Lehre von den Literaturverzeichnissen, ihrer Herstellung und Benutzung. Sie ist Lehrfach an Lehrinstituten für Bibliothekare und Buchhändler.
 
Die Bibliographie als Literaturverzeichnis ist ein unentbehrliches Hilfsmittel der wissenschaftlichen Arbeit. An ihrer Herstellung und Benutzung sind Wissenschaft, Buchhandel und Bibliotheken gleichermaßen beteiligt. Eine Bibliographie enthält in der Regel für jedes Buch: Verfasser, Titel, Erscheinungsort und -jahr, Band- und Seitenzahl, ISBN und Preis.
 
Arten der Bibliographie:
 
Man unterscheidet: 1) nach ihrer äußeren Erscheinungsform: a) gedruckte selbstständige (Bände, Hefte, Karteien) und unselbstständige (versteckte) Bibliographien. Letztere können als Literaturangaben in Büchern, als Anhang oder regelmäßige Beilage in Zeitschriften enthalten sein; b) als Datenbanken; c) als CD-ROM; 2) nach ihrer Erscheinungshäufigkeit: laufende (periodische) sowie abgeschlossene (retrospektive) Bibliographien. Sie werden meist ergänzt durch Register, die den Inhalt mehrerer Nummern erschließen, oder durch Zusammenfassungen der sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Publikationen (Halbjahres-, Jahres-, Mehrjahresverzeichnisse). Eine Zusammenfassung kann auch innerhalb der einzelnen Hefte laufender Bibliographien erfolgen, indem jeweils die Titel der vorangegangenen zusammen mit denen der neuen Berichtszeit in einer übergreifenden alphabetischen Ordnung aufgeführt werden (kumulierende Bibliographien); 3) nach ihrem Inhalt: Allgemeinbibliographien, deren Titelverzeichnung nach formalen Kategorien erfolgt (Art des Vertriebs, Erscheinungsweise, Druckjahr, Erscheinungsort, Sprache der Publikationen); Fachbibliographien, die auf ein bestimmtes Wissenschaftsgebiet bezogen sind; Regional- und Lokalbibliographien; während die meisten Fachbibliographien die entsprechenden Veröffentlichungen aller Länder in kritischer Auswahl berücksichtigen, erstreben die nationalen Allgemeinbibliographien Vollständigkeit der als nationalen Literatur angesehenen Publikationen; 4) nach ihrem Zweck: buchhändlerische, bibliothekarische, bibliophile Verzeichnisse, Spezialbibliographien zu begrenzten Themen; 5) nach ihrem Verzeichnisumfang: nationale oder internationale, vollständige oder Auswahlbibliographien; 6) nach der Unmittelbarkeit der Erfassung (Verzeichnung aufgrund vorliegender Werke, bezeichnet als »Autopsie«, oder Auswertung anderer Literaturverzeichnisse); 7) nach dem Grad und der Tiefe der Beschreibung (anzeigend, wertend, auswählend, erläuternd, kritisch).
 
Das Material einer Bibliographie kann geordnet sein: 1) alphabetisch nach Autoren beziehungsweise Sachtiteln und (Titel-)Stichwörtern oder Schlagwörtern; in der in den USA gebräuchliche Form des Kreuzkatalogs (»dictionary catalog«) sind Verfassernamen, Titel, Schlag- und Stichwörter ineinander geordnet; 2) systematisch nach Sachgruppen; 3) chronologisch; 4) topographisch. Diese Ordnungsprinzipien können miteinander kombiniert werden.
 
In Nationalbibliographien werden außer dem Schrifttum eines Landes, gleich in welcher Sprache erschienen, erfasst: außerhalb der Staatsgrenzen veröffentlichte Literatur der Landessprache, Schriften der dem Lande entstammenden, im Ausland lebenden beziehungsweise publizierenden Autoren, Übersetzungen aus der Landessprache sowie die das eigene Land betreffende Literatur anderer Sprachen und Länder. Viele Nationalbibliographien verzeichnen nur Bücher, während Zeitschriften, Hochschulschriften, amtliche Druckschriften, Karten, Musikalien usw. in besonderen Verzeichnissen angezeigt werden.
 
Aufbauend auf buchhändlerischen beziehungsweise verlegerischen Einzelleistungen, erwarb in Deutschland der Börsenverein der Deutschen Buchhändler (Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V.) mit der Gründung der Deutschen Bücherei in Leipzig das Monopol für die deutsche Allgemeinbibliographie (»Deutsches Bücherverzeichnis«, 1911 ff.). In der Zeit von 1947 bis 1990 gab es zwei deutsch »Nationalbibliographien«, die jeweils das Schrifttum des gesamtdeutschen Bereichs verzeichneten. In der DDR führte die Deutsche Bücherei in Leipzig 1946 ff. die »Deutsche Nationalbibliographie« in gesamtdeutscher Konzeption fort (das gleichnamige Vorgängerverzeichnis erschien ebenda seit 1931); die mehrjährige Kumulation erschien als »Deutsches Bücherverzeichnis«. Die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main veröffentlichte ab 1947 die ebenfalls gesamtdeutsche angelegte »Deutsche Bibliographie«. Seit 1991 gibt die Deutsche Bibliothek die Deutsche Nationalbibliographie heraus. Sie erscheint in mehreren Reihen. Für die Zeit 1972 ff. werden die Daten auch als Online-Datenbank unter dem Namen »Biblio-Data« angeboten; für 1986 ff. sowie für 1945-65 gibt es CD-ROM-Datenbanken (Die Lücke von 1966 bis 1971 soll mit einer CD-ROM 1997 geschlossen werden).
 
Die Nationalbibliographie Österreichs erscheint in ihrer heutigen Form seit 1946: vierzehntäglich ein Heft, eine Sondernummer Musikalien, Jahresregister. Ein Großteil der österreichischen Buchproduktion wird von der »Deutschen Nationalbibliographie« in deren Fünfjahreskumulation mit verzeichnet. Ebenso verhält es sich für viele (deutschsprachige) Titel aus der Schweiz. Auch hier gibt es alle 14 Tage ein Heft sowie Jahresregister. Das »Schweizer Buch« erfasst Publikationen aller in der Schweiz gesprochenen Sprachen.
 
Neben nationalbibliographischen Projekten haben auch reine Buchhandelsverzeichnisse große Bedeutung für Bibliotheken und Buchhandlungen, u. a. das »VLB« (Verzeichnis lieferbarer Bücher).
 
Die Funktion von internationalen Allgemeinbibliographien mit Auswahlcharakter erfüllen einige Bestandskataloge der großen Universalbibliotheken, z. B. die Kataloge der British Library in London, der Bibliothèque Nationale de France in Paris, der Library of Congress in Washington. Tendenziell werden die wichtigsten Bibliothekskataloge für die bibliographische Online-Recherche zugänglich gemacht (vorwiegend im Internet). Der Vernetzung, internationaler Austauschbarkeit und Vereinheitlichung bibliographischer Verzeichnung widmen sich neben den Buchhandelsorganisationen auch bibliothekarische Vereinigungen (so u. a. die IFLA, International Federation of Library Associations, mit der Erarbeitung der ISBD, International Standard Book Description) sowie die UNESCO.
 
 
B. der Bibliographien:
 
Bibliograph. Berichte = Bibliographical Bulletin, hg. v. der Staatsbibliothek Preuß. Kulturbesitz, Jg. 1-30 (1959-88);
 T. Besterman: A world bibliography of bibliographies and of bibliographical catalogues. .., 5 Bde. u. Suppl. (Neuaufl. Totowa, N. J., 1971-77),
 Forts.: A. F. Toomey: A world bibliography. .., 1964-74, 2 Bde. (ebd. 1977);
 W. Totok u. R. Weitzel: Hb. der bibliograph. Nachschlagewerke, 2 Bde. (61984-85).
 
Laufende Verz.: Bibliographic index (New York 1937 ff.);
 
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB). Besprechungsdienst u. Berichte, hg. v. K. Schreiber, Jg. 1 ff. (1993 ff.).
 
Deutsche Nationalbibliographien:
 
Abgeschlossene B. (chronologisch nach der Berichtszeit): Verz. der im dt. Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jh., hg. v. der Bayer. Staatsbibliothek u. a. (1983 ff.);
 
W. Heinsius: Allg. Bücher-Lex.. .. aller von 1700-1892 erschienenen Bücher. .., 19 in 31 Bänden (1812-94);
 
C. G. Kayser: Vollständiges Bücher-Lex., enthaltend alle von 1750-1910 in Dtl. gedruckten Bücher, 36 Bde. u. 6 Register-Bde. (1834-1912, Nachdr. 1961-63);
 
Hinrichs' Kat. 1851-1912, 13 Bde. (1874-1913, Nachdr. Bd. 1-3 in 1 Bd., Graz 1964);
 
Dt. Bücher-Verz. 1911-1950, 28 Bde. (1916-57).
 
Für den Zeitraum von 1700 bis 1965 gibt es Reprokumulationen: Gesamt-Verz. des deutschsprachigen Schrifttums 1700-1910, 160 Bde. u. 1 Nachtr.-Bd. (1979-87).
 
Gesamt-Verz. des deutschsprachigen Schrifttums 1911-1965, 150 Bde. 1976-81);
 
Verz. seit 1945: Dt. National-B., bearb. u. hg. v. der Dt. Bücherei Leipzig (1946-90);
 
Dt. B. Wöchentl. Verz., bearb. hg. v. Dt. Bibliothek, Frankfurt am Main (1947-90);
 
Dt. National-B. u. B. der im Ausland erschienenen dt.-sprachigen Veröffentlichungen, hg. v. Die Dt. Bibliothek, Frankfurt a. Main u. Leipzig, hervorgegangen aus der Dt. National-B. u. der Dt. B. mit 11 Reihen (1991 ff.).
 
Wichtige ausländ. B.:
 
Großbritannien: The British National Bibliography (London 1950 ff.).
 
Frankreich: Bibliographie de la France, 160 Bde. (Paris 1811-1971),
 
Forts.: Bibliographie de la France - Biblio (Paris 1972 ff.).
 
Italien: Bibliografia Nazionale Italiana 1958 ff. (Florenz 1961 ff.).
 
USA: American book publishing record, Bd. 1 ff. (New York 1960 ff.).
 
Bibliotheks-Kat. mit der Funktion von internationalen Allgemein-B.:
 
Catalogue général des livres imprimés de la Bibliothèque Nationale, 231 Bde. (Paris 1897-1981),
 
Forts.: Bibliothèque Nationale. Catalogue général des livres imprimés 1960-69 (Paris 1972-78);
 
National union catalog. Pre-1956 imprints, 685 Bde. u. 69 Suppl. Bde. (London 1968-81),
 
Forts.: National union catalog 1958 ff. (Washington, 1963 ff.);
 
The British Library general catalogue of printed books to 1975, 360 Bde. (München 1980-85);
 
B. der gegenwärtig im Buchhandel erhältl. Lit.:
 
Koch, Neff & Oetinger, Koehler & Volckmar: Barsortiment-Lager-Kat. (jährl., 1858 ff., mit wechselndem Titel);
 
Libri. Barsortiments-Lager-Kat. (jährl., 1949 ff.);
 
Verz. lieferbarer Bücher (»VLB«), hg. v. der Buchhändler-Vereinigung, Frankfurt am Main (jährl., 1971 ff.).
 
B. der Zeitschriftentitel u. des Zeitschrifteninhalts:
 
Ulrich's international periodicals directory (New York 1932 ff.);
 
Dt. B., Zeitschriften 1945-52 ff. (1958 ff.).
 
Internationale B. der Zeitschriften-Lit., gegr. von F. Dietrich (1897-1964),
 
Forts.: Internationale B. der Zeitschriften-Lit. aus allen Gebieten des Wissens - »IBZ« (1965 ff.).
 
Theorie der B.:
 
H.-J. Koppitz: Grundzüge der B. (1977);
 
H. Allischewski: Bibliographienkunde (21986);
 
E. Bartsch: Die B. (21989);
 
P. Raabe: Einf. in die Bücherkunde zur dt. Literaturwiss. (111994).
 

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Bi|bli|o|gra|phie, Bibliografie, die; -, -n [griech. bibliographía = das Bücherschreiben]: 1. Verzeichnis, in dem Bücher, Schriften, Veröffentlichungen einer bestimmten Kategorie angezeigt u. (bes. nach Titel, Verfasser, Erscheinungsdatum u. -ort) beschrieben werden, Büchernachweis: eine B. der Goetheliteratur, zur Literaturwissenschaft. 2. Bücherkunde.

Universal-Lexikon. 2012.

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